Geschichte Hamburger Polo Club e.V.

Als am 3. Januar 1898 der Hamburger Polo Club aus der Taufe gehoben wurde, wusste wohl keiner der Gründungsväter, welche Entwicklung der Club nehmen würde. Zunächst war es nur ein Zusammenschluss hanseatischer und anglophiler Gentlemen, die in England von dem auch dort relativ neuen Sport „Polo“ gehört und sich für ihn begeistert hatten; auch nach England war der eigentlich schon sehr alte Polo-Sport erst 1869 von Kolonialoffizieren aus Indien mitgebracht und 1871 das erste Turnier gespielt worden.

Es gelang den Hamburger Gründern, ihre Begeisterung zu verbreiten. So finden sich im alten Gästebuch des HPC Spielergebnisse und Dankadressen von Spielern und Besuchern aus England, Polen, Ungarn und Österreich sowie aus Bremen, Frankfurt, Hannover und Berlin. Für dieses rege Clubleben reichte der damalige Poloplatz, der sich mit einem Clubhaus ungefähr auf dem jetzigen Derby-Park befand, nicht aus, so dass schon damals das Land für zwei Poloplätze auf unserem heutigen Clubgelände angepachtet wurde.

Da nach dem Ersten Weltkrieg zunächst kein Polo gespielt wurde und diese Flächen ungenutzt waren, wurde dort 1920 unter Leitung des Polospielers und Springreiters Eduard F. Pulvermann ein Spring-Derby-Parcours angelegt; zur Geschichte des HPC gehört damit auch, dass das gefürchtete Hindernis mit Namen „Pulvermanns Grab“ sich zunächst auf unserem heutigen Gelände befand und nicht etwa auf dem Derby-Platz.

Erst in den Jahren 1927/28 nahm das Clubleben wieder Aufschwung. Es entstand – damals vorrangig für die Damen – die Tennisabteilung, für die zunächst zwei Plätze gebaut wurden. Schon zwei Jahre später wurde eine Hockey-Abteilung ins Leben gerufen. Ebenfalls in diese Zeit fällt der Bau unseres auch heute noch genutzten Clubhauses. Diesem Aufschwung entsprechend wurde das 30-jährige Jubiläum des Clubs mit einer Festwoche vom 28. Juli bis zum 5. August 1928 gefeiert.

Während der ersten 30 Jahre seines Bestehens hat sich der Club also im Rahmen des Möglichen nicht nur erhalten, sondern auch erweitert und verfestigt, dass wir noch heute auf diesem Fundament stehen.

In die Jahre ab 1930 fallen dann auch die großen Zeiten der Polo-Abteilung mit Turnieren in Holland, Italien, Ungarn und Österreich bis hin zur Vertretung Deutschlands bei den Olympischen Spielen in Berlin im Jahre 1936. Danach kam dann allerdings die Zeit des Zweiten Weltkrieges, in der der Sport zurücktrat, in der aber weiter für den Zusammenhalt der Clubmitglieder gesorgt wurde. Es wurde innerhalb des Clubs die VAMIDAD gegründet, die „Verbindung aller Mitglieder in der Armee und daheim“, die sich mit Erfolg die Betreuung und den Zusammenhalt der Mitglieder in dieser Zeit zu Aufgabe gemacht hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zwar mit der Beschlagnahme des Clubgeländes alle Aktivitäten zum Erliegen, der Kontakt zwischen den Mitgliedern bestand aber weiter. Als ab Ende 1954 deutlich wurde, dass eine Rückgabe des Geländes zu erwarten war, wurde die „alten“ Mitglieder, insbesondere Herr Rolf Breuer, tätig und erreichten nach langen Verhandlungen mit der Stadt und den englischen Behörden im April 1955 zunächst die Rückgabe der – wie es in einem Rundschreiben heißt – „völlig unbrauchbar gewordene Tennisplätze“; der Poloplatz und das Clubhaus blieben weiter in englischer Hand. Im Dezember 1955 fand eine Generalversammlung statt, in der über die Wiederherstellung der Tennisplätze berichtet wurde, deren Einweihung dann am 10. Juni 1956 feierlich vorgenommen wurde. Dieses Datum entspricht der Wiederbelebung des Clubs nach dem Zweiten Weltkrieg.

Es gelang in recht kurzer Zeit, die Hockeyabteilung zu reaktivieren, und auch für Polo gab es zumindest Interessenten in so großer Zahl, dass der Stadt ein Bedarf für die Rückgabe der Polowiese nachgewiesen werden konnte; wegen des Neuabschlusses eines Pachtvertrages wurde engagiert verhandelt.

Als Kuriosum sei erwähnt, dass ein uns immer noch benachbarter Club hierbei die meisten Schwierigkeiten gemacht hat, indem gegenüber den Engländern und der Stadt behauptet wurde, das Gelände an der Jenischstraße habe schon immer zu jenem Club gehört.

Bereits im August 1958 fand wieder ein Polo-Turnier statt, bei dem rund 5.500 Besucher zusahen, eine Zahl, die heutzutage nur schwer zu erreichen ist, aber damals steckte ja auch das Fernsehen noch in den Kinderschuhen und stellte keine Konkurrenz zu lebendigem Sport dar.

1960 war es dann endlich so weit, dass das inzwischen renovierte Clubhaus mit der gesamten Anlage wieder zur Verfügung stand, und prompt gab es so viele Interessenten, dass der Vorstand schon damals eine Aufnahmesperre verhängen musste; eine für Bewerber traurige, aber für den Club noch heute erforderliche Maßnahme, um den familiären Charakter zu erhalten. An Zulauf hat es dem Club jedenfalls nie gefehlt, und so wuchs die Zahl der Mitglieder bis zum 75-jährigen Jubiläum im Jahre 1973 auf 800 Personen.

Der Club verfügt auf gepachtetem Gelände über einen Polo-Platz, sieben Tennisplätze und einen Kunstrasenplatz. Für den Winterbetrieb sind eine neue Tennishalle und eine neue Hockeyhalle vorhanden. Unsere Jugendlichen werden im Tennis und Hockey von fünf vollamtlichen und einer Vielzahl von ehrenamtlichen Trainern betreut. Unser Clubhaus ist betagt, aber gut in Schuss und gemütlich. Unsere Gastronomie ist in besten Händen. Dies alles gibt ein gerundetes Bild, mit dem man zufrieden sein kann.

Diese Beschreibung des aktuellen Zustandes unseres Clubs kann ihm aber nicht Genüge tun, da einer der wichtigsten Aspekte statistisch nicht zu erfassen ist, nämlich der „Geist“, der in unserem Club herrscht.

Dieser schwer zu beschreibende, aus meiner Sicht aber durchaus vorhandene “Geist” unseres Clubs erscheint mir wichtiger als die Anzahl der Tennis- oder Hockeyplätze.
Was macht nun eigentlich den Geist eines Clubs aus? Die Antwort kann nur lauten:
Die Mitglieder, die Art, wie sie miteinander umgehen und die Einstellung, die sie zu IHREM Club haben.
Betrachtet man unseren Club unter diesem Gesichtspunkt, dann ergeben sich vielfältige Mosaiksteinchen, aus denen sich das Bild des “HPC HEUTE” formt: Schon von Gründungszeiten an wurde konsequent das Ziel verfolgt, ein Familienclub zu sein – zu unseren heutigen Mitgliedern gehören Enkel und Ur-Enkel unserer Gründer. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn drei Generationen einer Familie nahezu gleichzeitig auf dem Gelände ihrem Sport nachgehen oder auch nur zuschauen. Es liegt damit im Interesse eines jeden, den Club nicht nur für sich, sondern auch für die nächste Generation zu erhalten.

Häufig sind Freunde veranlasst worden, in den Club einzutreten. Dies führt dazu, dass viele Mitglieder befreundet sind oder sich zumindest als Freunde von Freunden kennen, man ist einander also selten fremd, man weiß, wer wessen Kinder sind, es besteht eine lockere und wohlwollende Aufsicht, die es ermöglicht, dass die Kinder auf dem Gelände des HPC gut aufgehoben sind und dieses auch wissen.

Neue Mitglieder werden nicht nur von ihren Bürgen oder Freunden in das Clubleben eingeführt, sondern ohne Probleme integriert, ohne bedrängt zu werden.

Es herrscht eine “Jeder gehört dazu und kann mitmachen”-Einstellung, naturgemäß mit der Folge, dass die Mannschaften des HPC nur in Ausnahmefällen besondere sportliche Leistungen aufzuweisen haben; dafür sind erzielt Ergebnisse aber dann auch “selbstgemacht”.

Leistungen werden nicht um jeden Preis angestrebt; es ist undenkbar, dass Erwachsene in einem Eltern-Kind-Turnier scharf auf das Kind spielen (oder sollte das im Eifer des Gefechtes doch schon mal vorkommen?).

Dass Jugendliche mit sportlichem Ehrgeiz an andere Clubs abgewandert sind, hat es durchaus gegeben; wichtiger erscheint mir aber, dass nicht wenige mit ihren inzwischen gegründeten Familien zurück gekehrt sind, weil es bei uns eben doch “anders” ist.

Wenn in einer solchen Atmosphäre Sport miteinander (und nicht gegeneinander) betrieben wird, wird auch eine Clubanlage nicht nur als neutraler Sportplatz benutzt, sondern stellt einen Ort dar, an dem man zu Hause ist und den man bewahren will. Wir meinen, dass unsere Mitglieder dies auch so sehen und dass dies ihre Einstellung zu unserem Club und damit den Club selbst prägt.

Wenn es uns gelingt, diesen Geist unseres Clubs zu bewahren und weiter zu geben, brauchen wir uns um die Zukunft unseres Clubs keine Sorgen zu machen, der HPC HEUTE kann auch in der Zukunft bestehen, im Zweifel bietet unsere Historie, die hier nur verkürzt dargestellt wurde, hinreichend Anleitungen, wie Probleme eines Clubs gelöst werden können, wenn die Mitglieder ein gemeinsames Ziel verfolgen.

 

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